Navigation auf- und zuklappen

Parkinsons Gesetz – aktuell wie nie (Teil 3)

Das (un)heimliche Wachstum des Europäischen Parlaments.

Laut Parkinsons Erkenntnissen aus den 1950er Jahren beträgt der Personalzuwachs ohne Rücksicht auf die Veränderungen des Arbeitsaufkommens jährlich zwischen 5 % und 6,6 %. Seiner Meinung nach könnten die Kernaufgaben auch komplett entfallen, ohne dass die Verwaltung deshalb schrumpfen würde.

Wem die Wachstumszahlen des deutschen Parlaments noch nicht ausreichend Beweismaterial für Parkinsons These liefern, der wage einen Blick nach Brüssel zur Europäischen Union bzw. nach Straßburg zum Europäischen Parlament.

Seit 1979 können wir als europäische Bürger das Europaparlament wählen und alle 5 Jahre unser Votum abgeben. Waren es anfangs noch 10 Mitgliedsstaaten für die 410 Abgeordnete im Parlament saßen, so sind es bis zum Auszug der Briten im letzten Jahr 751 Parlamentarier aus 27 Mitgliedsländern, eine satte Steigerung um 83 Prozent. 

Da sich die Anzahl der Mitglieder durch die Ausdehnungen der EU fast verdreifacht hat, mag die erhöhte Anzahl der Parlamentarier noch nachvollziehbar sein. Wären da nicht die Heerscharen der Mitarbeitenden des Parlaments. Von 2004 bis 2012 ist deren Anzahl um gute 58 Prozent von 3.942 auf 6.245 Personen gestiegen. Ebenfalls rekordverdächtig. Fast 2.000 davon sind leitende Angestellte, knapp 3.000 Assistenten, die sich mit Bürotätigkeiten befassen, weitere 1.200 sind Zeitmitarbeiter, Vertragsmitarbeiter (ehemals Hilfs-Mitarbeiter) und Sonderberater.
Parkinson lässt grüßen.

Der Leser stelle sich einmal vor, er hätte das Personal seines Unternehmens in nur 8 Jahren derart in die Höhe geschraubt. Welch ein wirtschaftlicher Wachstumsschub müsste damit verbunden gewesen sein? Ob das Europäische Parlament wirklich effizienter geworden ist? Das sollte man jedenfalls annehmen, angesichts der Heerscharen von Mitarbeitern, die unsere Parlamentarier unterstützen.

Übrigens: Rund 1.000 dieser parlamentarischen Mitarbeiter verdienen mehr als ein Mitglied des Europäischen Parlaments. Alle Achtung!

So verwundert es nicht, dass die jährlichen Kosten des Parlaments exorbitant gestiegen sind. Im Jahr 2011 betrugen sie 1,69 Mrd. Euro. Das war seit 2009 eine Steigerung um 18,1 %. In 2012 waren es 1,725 Mrd. Euro. 

Wenn das Ergebnis immer in Ordnung wäre, könnte man sich ja ruhig verhalten. Ich bin persönlich ein großer Verfechter des europäischen Gedankens und fest davon überzeugt, dass wir ein starkes vereinigtes Europa heute mehr denn je brauchen. Aber mir fehlt es, wie so vielen andere Menschen, immer mehr an Vertrauen in eine Politik und Politiker, die so unverantwortlich mit dem Geld der Steuerzahler umgehen.

Lieber Mr. Cyril Northcote Parkinson. Es tut mir furchtbar leid, solche Zahlen sehen zu müssen. Aber Sie haben wie immer Recht behalten. Herzlichen Glückwunsch!

 

© Mathias Fischer, .brandcom GmbH, Köln

 

Download PDF

Diesen Artikel teilen
© 2025 brandcom | Impressum | Datenschutz